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Thema des Monats Juli 2008: Rache









































Die Filmgalerie widmet sich im Juli der Rache.

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Fast nichts ist älter als die Rache. Sie führt in unsere düstersten Abgründe, und ist doch für viele die einzig richtige Form der Gerechtigkeit.

Die Filmgalerie widmet sich im heißen Monat Juli der Vergeltung und Rache. Wie stehen wir heute zur Rache? Stehen wir über ihr oder überwindet uns immer noch das heiße Gefühl der Rachsucht?

Von Euripides zu Tarantino, von Medea zu Dirty Harry oder Charles Bronson, Rache ist ein ewiges Thema der Menschheit, dass dem Kino, (wie allen anderen Künsten) seit seiner Erfindung spannende und faszinierende Stoffe geliefert hat.

Vor allem das Männerkino in den mythologischen Genres Western oder Monumentalfilm basiert fast immer auf einer Rachegeschichte. Es können dabei psychologisch und mythologisch tief schürfende Meisterwerke wie John Fords "Der Schwarze Falke" heraus springen, der in seiner Fabel nie seine biblischen (man braucht nur auf die Namen der Protagonisten zu achten) wie literarischen (John Wayne ist als Ethan Edwards ein Kapitän Ahab aus "Moby Dick" des Monument Valleys) Ursprünge verleugnet. Das Genre des Westerns enthält massenweise Männer, die den Verlust ihrer Familie rächen wollen. In "Erbarmungslos" soll Clint Eastwood eigentlich nur der Überbringer der Rache als Auftragskiller sein, aber erst als er selbst den Rachegedanken tief in sich spürt, kann der gealterte Revolverheld die Vergeltungstat umsetzen. Eastwoods Meisterwerk ist aber eben nicht nur die Darstellung der Rache und der damit einher gehenden Kraft, sondern zeigt vielmehr die Destruktivität der Gewalt und Rache. Diese Ambivalenz zeichnet fast jeden grossen Film um das mythisch-psycholgische Thema Rache aus.

Das Monumentalkino war wie der Western schon immer ein Kino, das in seinen alttestamentarischen Zügen die Rache zum Zentrum der Handlung verdichtete. "Ben Hur" geht es um die Vergeltung des Verlusts der Familie und der gesellschaftlichen Stellung, die sich im Laufe der Zeit verbindet mit einer vorher nicht vorhandenen Opposition gegen die nicht an den wahren Gott glaubenden römischen Herrscher. Auch das moderne Comeback des Monumentalkinos verdanken wir einer der größten Rachegeschichten der Filmgeschichte. Russel Crowe zeigt in seiner kraftvollen Darstellung eines "Gladiator"(s) , welche übermenschlichen Kräfte das Gefühl der Rache auslösen kann. Hier steht aber ausnahmsweise die Rache nicht für pure Zerstörung, sondern lässt am Schluss eine bessere Zukunft erhoffen.

Fast übermenschliche Kräfte ausgelöst durch den Willen nach Rache erfahren wir auf ganz andere Weise , nämlich in der Figur einer mit allen Mitteln und Techniken kämpfenden Über-Frau, durch Uma Thurman in "Kill Bill". Doch ist Uma Thurman nicht die einzige Frau, die sich rächt in diesem furiosen Stück des zitierenden postmodernen Kinos. Die Figur der "O-Ren-Ishii", gespielt von Lucy Liu, zitiert in ihrer traurigen Kindheitsgeschichte "Lady Snowblood", einer der großen Figuren des japanischen Martial Arts-Kinos. Wenn im zweiten Teil "Kill Bill"(s) mehr das Western-Genre zitiert wird, so ist der erste Teil dieses Meta-Films der Rache und Vergeltung dem asiatischen Kampfkunstkino gewidmet.

Der Western, das Martial-Arts-Kino, der Monumentalfilm all diese Genres besitzen eine natürliche Affinität zu Rache als mythologische Motivation des Menschen. Doch auch im modernen Großstadtkinos des Thrillers findet sich das Rachemotiv des Alten Testaments wieder. Sei es Charles Bronson als Selbstjustiz übender Familienvater in der "Death Wish"-Reihe (genauso gut könnte man aktuell Jodie Foster in "Die Fremde in Dir" nennen) oder der nicht an die Mühlen der Justiz glaubende Polizist Clint Eastwood als "Dirty Harry".

Bedeutung haben aber ein Teil dieser Filme nicht weil sie (nur) die Rache glorifizieren, sondern weil sie zeigen, wie nah uns Alltagsmenschen die Gewalt noch ist. Es ist ein düsterer Abgrund des Jedermanns, in den wir bei den modernen Rachefilmen im besten Falle schauen.

So wie Edmond Dantes als "Graf von Monte Christo" zwar übermenschliche Kraft durch den Wunsch nach Vergeltung in sich findet, muss er am Ende aber doch erkennen, dass die Rache nichts wieder aufbaut oder in irgendeiner Form etwas neues schafft. Sie ist eine grosse destruktive Kraft, die die Menschheit seit Anbeginn nicht zu ihrem Guten antreibt.

So beschrieben schon die grossen griechischen Theatermacher wie Euripides, welch unaufhaltsame, weil jedes andere Gefühl (sogar die Mutterliebe) auffressende, Zerstörungskraft die Rache hat. Pier Paolo Pasolini schuf der klassisch-mythologischen Urfrau der Rache "Medea" angemessene Bilder und eine grosse Darstellerin in der Operndiva Maria Callas.

Filme, die um das Thema Rache gehen, können mitreißend sein, weil sie von einer Urkraft des Menschen angetrieben sind, aber sie sind vor allem ein Kino des Erschreckens vor sich selbst. Sam Peckinpah lässt jeden Menschen tief in sich selbst schauen, wenn er den so freundlich und friedlich wirkenden Dustin Hoffman in "Wer Gewalt sät" zur fast Amok laufenden Rachemaschine werden lässt. Einer der erschreckendsten Filme der Kinogeschichte geht nicht umsonst um das Thema der Rache.

So laden wir trotzdem oder gerade deswegen besonders herzlich in die Filmgalerie ein mit den Worten:

"Rache ist ein blutiges Gericht, welches kalt serviert werden muss." (Altes Klingonisches Sprichwort)

Michael Leonards



Hier nun eine Auswahl an "Rache"-Filmen:

Der Schwarze Falke
Wer Gewalt sät
Blinde Wut
Kap der Angst
.45 - Die Frau will Rache
München
Lady Vengeance
Oldboy
Road to Perdition
Get Carter (1971)
The Crow
Hamlet (1990)
Coffy - Die Raubkatze
Ein Fremder ohne Namen
Ein Köder für die Bestie
Death Sentence
Man on Fire
Payback
Graf von Monte Christo
Dirty Harry
Ein Richter sieht rot
Lady Snowblood
Kill Bill
Gladiator
Medea
Ben Hur
Die Fremde in Dir






































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