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Thema des Monats August 2008: Künstliche Wesen


















































Die Filmgalerie widmet sich im August den künstlichen Wesen.

Künstliche Wesen: Von Pandora über Frankensteins Monster zu den Replikanten

Seit Beginn unserer westlichen Kultur gibt es das Phänomen der künstlichen Wesen, die oft, aber nicht immer, eine möglichst exakte Nachahmung des Menschen sein sollen. Im griechischen Schöpfungsmythos des Hesiod schafft Zeus Pandora, ein künstliches Wesen und die Ur-Frau, um sich an Prometheus und seinen Zöglingen, den Menschen, zu rächen. Sie bringt in der "Büchse der Pandora" das Üble in die Welt und wirft den Mensch erst in seinen aus Schmerz, Trauer und Tod bestehenden Lebenslauf.

Schon hier ist die Schöpfung eines künstlichen Wesens zutiefst mit dem Prometheus-Mythos verbunden, der bei Homer und anderen Autoren (sehr viel positiver für die Menschheit) als der Schöpfungs- und Fortschrittsmythos erscheint. Mary Shelley nannte ihren Roman "Frankenstein" deswegen bewusst im Untertitel "Der neue Prometheus". Sie stellte diesen Fortschrittsoptimismus hier genauso in Frage, wie das Aufspielen des Menschen als gottgleiche Schöpfungsgestalt. "Frankenstein" hat im Film tiefe Spuren hinterlassen, was aber nicht nur auf Filme zutrifft, die den Namen des Wissenschaftlers und nicht den des Monsters im Titel tragen.

Es kann bei der Darstellung künstlicher Wesen in kritischer wie in optimistischer Betrachtung um den technischen und geistigen Fortschritt der Menschheit gehen. Die Kritik am Fortschrittsglauben hat dabei im Phantastischen Film häufig den speziellen Ausdruck im Charakter des Mad Scientist gefunden, wie er schon Dr. Frankenstein war oder wie er zumindest in den meisten Verfilmungen und filmischen Annäherungen an den Stoff dargestellt wurde.

In der Darstellung künstlicher Wesen geht es aber auch häufig um die Geschlechterrollen oder ihre Vermischung zu einer (mehr oder weniger attraktiven) Androgynität als Ausdruck des modernen Menschen. Angefangen bei der freien Wedekind-Verfilmung "Die Büchse der Pandora", übergehend zu den zahlreichen weiblichen Kampf- oder Liebesrobotern/-Cyborgs/-replikanten der Filmgeschichte geht es um sich verändernde Themen der Sexualität und der gesellschaftlichen Rollenteilung.

Natürlich lässt sich auch nicht die gottesstürmerische Tendenz dieser Darstellungen oder aber die Kritik an einem gottesstürmerischen Zeitgeist übersehen, wenn es um Themen wie Genetik, oder andere Formen der perfekten Nachahmung oder gar Verbesserung der Natur geht. Wenn in Luc Bessons "Das fünfte Element" nach und nach, Schicht für Schicht die physische Manifestation eines Überwesens entsteht, erlebt man den Pathos von Schöpfung, aber sollte das Hinterfragen der Reife der Menschheit, als Schöpfer neuen Lebens immer mitdenken. Schon "Der Golem" als Beschützer des Gottesvolkes in der Fremde gedacht, wächst seinem Schöpfer oder besser Lebenserwecker Rabbi Löw über den Kopf.

Ein weiterer wichtiger Aspekt wurde seit Descartes angedacht und spielt im Film spätestens mit der Philip K. Dick-Verfilmung "Blade Runner" eine zentrale Rolle im Bereich des SF-Films. Descartes entwickelte die Idee der "hommes machine". Bei ihm noch theoretisches Konstrukt wurde sein Gedankenspiel von anderen Philosophen der Aufklärung weiter gesponnen. Der Mensch ist eine Maschine. Zwar aus Fleisch und Blut, aber er ist nichts anderes als eine biologische Maschine. Moderne Autoren wie Philip K. Dick oder Arthur C. Clarke müssen daher die Frage aufwerfen, wo wir die Grenzen von Natur und Künstlichkeit noch ziehen in einem Zeitalter, dass alles technisch und biologisch manipulieren kann, und es auch schon macht. Descartes Idee der Identitätskontrolle "Ich denke, also bin ich" wird im Film spätestens seit "Blade Runner", aber auch schon früher, wie z.B. beim nicht äußerlich, aber intellektuell und emotional (?) diese Bedingung erfüllenden HAL 9000 aus Kubricks "2001" der Grundlage beraubt.

Was dabei früher individuelle Intelligenzen und Wesen waren, erweitert sich in Zeiten des Cyberspace in die Schöpfung künstlicher Welten und Universen. Die "Matrix" lässt uns in eine glaubwürdige künstliche Welt schauen, weil sie perfekte Nachahmung unserer Welt ist. In ihr agieren biologische Menschen neben künstlich geschaffenen Figuren, ohne Unterscheidungen zwischen ihnen auf die Schnelle treffen zu können. In anderen Cyberspace-Filmen wie "Nirvana" von "Ghost in the Shell"- Schöpfer Mamoru Oshii dreht sich das Phänomen nochmals verstärkt um. Er lässt uns eine scheinbar künstlich-stilisierte Welt als die eventuell reale erscheinen und unsere reale Welt als die höchste Stufe eines gigantischen Computerspiels.

Filmphilosophen wie Kubrick oder Oshii benutzen die Figur der künstlichen Wesen zum letzten Ausforschen menschlichen Geistes, da sie wie Descartes den Menschen als biologische Maschine verstehen, und sich so in der Darstellung künstlicher Intelligenzen oder Cyborgs versprechen, die Funktionsweisen des Menschen besser zu verstehen.

Der Mensch zwischen der Gottes- und Schöpfergestalt des Prometheus und seiner realen physischen und psychischen Schwäche wird durch all diese Cyborgs, Replikanten, Monster und künstliche Intelligenzen an seine Grenzen geführt. Ein Thema für die Ewigkeit.

Michael Leonards



Hier nun einige Beispiele aus der
Filmgeschichte künstlicher Wesen.


Der Golem
Metropolis
Die Büchse der Pandora
Blade Runner
Re-Animator
Beyond Re-Animator
Roger Cormans Frankenstein
Casanova Frankenstein
Frankensteins Höllenmonster
Frankenstein Junior
Andy Warhol's Frankenstein
Frankensteins Schrecken
Frankenstein muss sterben
Frankenstein schuf ein Weib
Frankensteins Ungeheuer
Frankensteins Rache
Frankensteins Sohn
Der Mann, der sein Gehirn austauschte
Frankenstein
Das fünfte Element
Ghost in the Shell 2 - Innocence
Ghost in the Shell
D.A.R.Y.L - Der Außergewöhnliche
Stealth - Unter dem Radar
A.I. - Artificial Intelligence
Perfect Lover
Puppetmaster 4
Edward mit den Scherenhänden
Eve 8 Ausser Kontrolle
Westworld
I'm a cyborg, but that's ok
Terminator
Terminator II
Resurrection of the little Match Girl
2001 - Odyssee im Weltraum
Nirvana
The 13th Floor
Vernetzt - Johnny Mnemonic
Matrix
Der Rasenmäher-Mann
Tron


















































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