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Thema des Monats November 2008: Das Kino, das Sterben und das Spiel mit dem Tod
































































In Ingmar Bergmanns "Das siebente Siegel" spielt der Kreuzritter Antonius zurückgekehrt aus dem Heiligen Land mit dem personifizierten Tod eine Partie Schach. Für Antonius geht es um sein Leben, aber auch um seinen Glauben und seine Sicht auf das Leben allgemein. Bergmann wählt das Schachspiel als symbolische Darstellung des Lebenskampfes. Zu diesem gehört der Prozess des Sterbens, und der finale Tod unmittelbar dazu, und so wie Antonius nicht nur den puren Existenzkampf führt, sondern im Verlauf dieses Spiels um den Tod viel mehr über seinen Glauben und das Leben allgemein erfährt, so ist das Kino in seinen filmischen Darstellungen des Sterbens und des Umgangs mit dem Tod eine Spielwiese unserer Sicht auf das Leben. Im herbstlichen November, der Zeit der Farbe Braun im fallenden Laub der Bäume, widmet sich die FilmGalerie dem filmischen Thema "Tod".

Das Leben und der Tod. Zwischen diesen Polen schwankt unsere Existenz. Wie gehen wir mit der eigenen Sterblichkeit um? Wie verarbeiten wir den Tod eines Freundes, eines Kindes, unserer Eltern?

Im November geht es um Filme, die sich mit der existenzialistischen Frage des Todes beschäftigen. Ein Film kann die Grenze des Lebens philosophisch abstecken, ein anderer lässt uns den Wunsch nach Tod miterleben und weitere werfen uns mitten hinein in trauernde Familien.

Wie der Mensch wirklich ist, erfährt er im Angesicht des Todes. Im November zeigt uns große Filmkunst das wahre Leben im Angesicht des Todes. Im November zur FilmGalerie kommen, heißt sich einer der größten aller Fragen zu stellen. Keine Angst dabei, denn.... Der Tod im Film kann durchaus amüsant sein.

So sind die "Trauer"- und "Zurückgeblieben"-Filme "Alles auf Zucker" und "Der Tango der Rashevskis" herrlich komisch in ihrer Beobachtung der trauernden Familie, in denen keiner mehr weiß, wie man "richtig" trauert. Vor allem bei den Rashevskis merkt man, wie die Gedanken um den Tod, der Anfang oder Wiederanfang eines glücklichen Lebens sein können. Diese Filme strahlen in der Rückschau Lebensfreude aus. Eine Lebensfreude, die die Protagonisten des Films nicht durchgehend spüren, die sie aber in mehr oder weniger ehrvoller Rückschau auf das Leben der Verstorbenen zurück erlangen.

Diese "Trauer"-Filme haben die spezielle Untersektion des schwarzen Humors entwickelt. Egal ob amerikanischer ("Eulogy - Letzte Worte") oder britischer Humor ("Sterben für Anfänger"), eine Beerdigung kann ein Fest witzigster Art sein, da sowohl die offengelegten Emotionen, wie die Erinnerung an die verstorbene Person, unkontrollierbare Gruppendynamik auslösen kann. Eine Gruppendynamik mit höchst amüsanten Folgen für den Zuschauer und meist sehr schmerzvollen für die Protagonisten.

Zwar auch schwarzhumorig, aber vor allem mit einer bitteren Tragikomik, lernen wir in der Serie "Six Feet Under" die Familie Fisher kennen. Das Familienunternehmen und Beerdigungsinstitut Fisher begleitet den Zuschauer auf eine Reise in die Tiefen des Lebens. In dieser genialen TV-Serie kann man mit bis zu diesem Zeitpunkt im Fernsehen fast unbekannter Komplexität und philosophischer Tiefe über Tod und Leben unterhalten werden. TV-Unterhaltung wird zur Kunst, da hier jegliches Thema, sei es noch so absurd, ernst genommen wird, und dabei doch immer zur kunstvollen Unterhaltung gedeiht.

"Der große Frust" von Lawrence Kasdan gehört zweifellos zu den besten Filmen der 1980er Jahre. In ihm kommt durch den Tod eines Freundes, eine Gruppe ehemaliger, politisch-engagierter Studenten der späten 1960er Jahre zusammen. Der Tod des Freundes zwingt sie auf ihr Leben zurück zu schauen, und sich dabei einzugestehen, welche ihrer Träume und Ideale sie umgesetzt haben bzw. wie weit ihr Leben sich entfernt hat von ihren alten Idealen. Der Tod im Film kann dem Zuschauer ähnlich wie seinen Protagonisten, sein Leben überdenken lassen, da die letzte Grenze uns zwingt, darüber nachzudenken, ob unsere Reise durch das Leben, die von uns erträumte war.

Filme, um Personen, die wir als Zuschauer beim Sterben begleiten, sind nicht nur düster. Wenn wir in "Die Invasion der Barbaren" den Geschichtsprofessor Remy im Kranken- und auch im Sterbebett begegnen, tun wir das zusammen mit all seinen ehemaligen Geliebten. Der Lebemann Remy macht das Sterben, dessen Qualen aber natürlich auch nicht ausgespart werden, zu einem lustvoll zelebrierten Abschluss seines Lebens. So wie wir ihn schon im "Untergang des amerikanischen Imperiums" kennen gelernt haben, geht er dabei auch keinem Streit aus dem Weg. Schwarzer Humor gepaart mit gesellschaftsphilosophischen Blick machen dieses filmische Spiel um den Tod zu einem großen Vergnügen.

So wie "Die Invasion der Barbaren" zu den Meisterwerken dieser Themenfilme zählt, so muss man natürlich Alejandro Amenabars "Das Meer in mir" auch dazu zählen. Die poetische Inszenierung um den sterbewilligen, gelähmten Seemann Ramon ist dominiert von der charismatischen Darstellung Javier Bardems. Das schwierige Thema der Sterbehilfe wird differenziert über eine Figur behandelt, die zwar sterben möchte, der man aber immer wieder ihre Lebensenergie ansieht. Ein sehr subtiler Film über das Leben und den Tod!

Die ebenfalls spanische Regisseurin Isabel Coixet erzählt in "Mein Leben ohne mich" von einer Frau, die nicht sterben möchte, deren Tod aber feststeht. Geht es bei vielen vorgestellten Filmen dieses Monats um die Zurückgebliebenen, begegnen wir hier einer Sterbenden, die ihr Leben im Angesicht des Todes so arrangiert, dass sie auch im Tod für ihre Lieben sorgt. Zwar sucht sie auch noch einmal persönliche Freude und Flucht am Ende ihres Lebens, aber im Mittelpunkt steht die Sorge um ihren zurückbleibenden Mann und ihre Kinder. Ein ergreifender, sehr poetischer Film, der, wie der Titel sagt, eine Frau zeigt, die "Mein Leben ohne mich" aus Liebe für andere, aber auch zu sich organisiert.

Was bleibt von uns? Diese Frage, versucht sich Ann aus "Mein Leben ohne mich" durch die Taten und Worte ihrer letzten Tage zu beantworten. Diese Frage kommt immer wieder auf bei den Filmen des Novembers und es ist wohl nicht die unwichtigste Frage.

Schauen sie im November in der FilmGalerie vorbei! Denn Filme, die um Tod und Sterben kreisen, sind für uns alle interessant, und vor allem oft höchst unterhaltsam. Film ist ein Spiel des Lebens, es simuliert unser Leben und kann uns gelegentlich Fragen und Antworten eröffnen?

Ihr FilmGalerie-Team

Michael Leonards



Das siebente Siegel
Alles auf Zucker
Der Tango der Rashevskis
Eulogy - Letzte Worte
Sterben für Anfänger
Six Feet Under
Der große Frust
Die Invasion der Barbaren
Das Meer in mir
Mein Leben ohne mich
Wer mich liebt nimmt den Zug
Spurensuche - Umwege zur Wahrheit
Love Story
Kirschblüten - Hanami
Walking on Water
Die Zeit die bleibt
Big Fish
Bringing out the Dead
Magnolia
Die Ewigkeit und ein Tag
Rhapsodie im August - Another Summer - 45 Jahre nach Hiroshima
Nick's Film - Lightning over Water
Die Dinge des Lebens
Wenn die Gondeln Trauer tragen
Hannah und ihre Schwestern
Die Brüder Löwenherz
Die Leiden des jungen Werther
Der gläserne Tod
Last Dance
Leaving Las Vegas
Dead Man Walking
Drei Farben: Blau
Last Light
The Crying Game
Jack der Bär
Wer früher stirbt, ist länger tot
Was nützt die Liebe in Gedanken
Ghost - Nachricht von Sam
The Green Mile
Ein todsicheres Geschäft
Ghost in Love
Hinter dem Horizont
Nur Wolken bewegen die Sterne
Rendezvous mit Joe Black
Familiensache
Rosanna's letzter Wille
Knockin' on Heaven's Door
Das Beste kommt zum Schluss
Das Erbe
Sprich mit ihr
Broken Wings
Moonlight Mile
Grabgeflüster
Maria an Callas
The Fountain
Lieben und lassen
Lovesong für Bobby Long
Evening - Spuren eines Lebens
P.S. Ich liebe dich

































































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